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Samstag, 04. Februar 2012
BILDUNGSAUFTRAG DER SCHULE VON HEUTE
Der Hessische Elternverein tritt für eine Schule ein,
  • die Schülerinnen und Schüler wieder zu einem Schulabschluss mit klarer Qualifizierung für eine berufliche Ausbildung oder ein Studium führt,
  • die darüber hinaus unseren Kindern eine gute Allgemeinbildung vermittelt, auf die sie in ihrem lebenslangen Lernen aufbauen können.
Diese selbstverständlichen Forderungen  waren über Jahrzehnte in Hessen nicht mehr erfüllt.

Die äußerst angespannte Lage auf dem Ausbildungs- und Arbeitsmarkt fordert von unseren Schulen, konsequent an diesem Ziel zu arbeiten. Schulabgänger ohne Abschluss   haben nur geringe Chancen auf einen Ausbildungsplatz bzw. Studienplatz und später im Beruf. Sie enden häufig in Arbeitslosigkeit und Sozialhilfe und haben so keine gesicherte Grundlage und keine ausreichenden Perspektiven für ihr gesamtes weiteres Leben. Deshalb brauchen wir die beste Schule für unsere Kinder.


Bildung von Anfang an
Unsere Kinder sind lernbereit, von Anfang an. Deshalb ist es so wichtig, die Bereitschaft des Lernens auch von Geburt an und im Kindergartenalter zu unterstützen und zu fördern. In vielen Familien arbeiten beide Partner. Deshalb unterstützt der Hessische Elternverein auch die Initiative der Hessischen Landsregierung zum Bildungsplan 0 bis 10. Erzieherinnen und Erzieher der Kindertageseinrichtungen und Lehrerinnen und Lehrer werden damit zusammen mit den Eltern eingebunden in die Bildung unserer Kinder. Dies ist zum Wohle unserer Kinder. Deshalb fordert der HEV eine schnelle Umsetzung dieses Bildungsplanes in Hessen.

Grundschule
Die Grundschulkinder müssen nach Abschluss der Jahrgangsstufe 4 die Grundfertigkeiten Rechnen, Lesen, Schreiben, mündlicher Ausdruck sicher beherrschen. Entsprechend konkrete, nachprüfbare und jährlich zu erfüllende Standards für alle Jahrgangsstufen, insbesondere die Jahrgangsstufe 4, müssen dieses Ziel absichern, eingebettet in den Rahmen des gesamten vielseitigen Fächerkanons der Grundschule.

Für ein verträgliches Zusammenleben mit den Mitmenschen, sowohl in der Schule als auch später im Beruf und in der Gesellschaft, müssen den Schülerinnen und Schülern von Anfang an positive Verhaltensformen wie freundlicher Umgang, Rücksichtnahme, Hilfsbereitschaft, Eigenverantwortung, Kooperationsbereitschaft, Selbstbeherrschung und Respekt vor dem anderen vermittelt werden.

Unentbehrlich ist, dass den Schülerinnen und Schülern schon früh die Fähigkeit zum Lernen gelehrt wird. Hierzu zählen Eigenschaften wie Konzentrationsvermögen, Ausdauer, Ordnung, Pünktlichkeit, Urteilsvermögen.

Beherrschung der Grundfertigkeiten, positive Umgangsformen gegenüber Dritten und Lernfähigkeit sind Voraussetzung für einen erfolgreichen weiteren Weg der Schülerin oder des Schülers in der Schule und später in Ausbildung, Studium und Beruf. Rückstände eines Grundschulkinds in Entwicklung, Verhalten und Lernvermögen müssen von der Lehrkraft frühzeitig festgestellt und, in Zusammenarbeit mit den Eltern, aufgefangen werden. Unumgänglich ist, dass in Zukunft verstärkt Fördermaßnahmen für lernschwache Schülerinnen und Schüler schrittweise eingeführt werden, auch wenn der finanzielle Spielraum knapp ist.

Der schon deutlich gesenkte Unterrichtsausfall muss weiter reduziert werden durch Schaffung einer Lehrerreserve. Auch Fächer wie Sport, Kunst, Musik, Werken, in denen das Kind sich selbst einbringen bzw. kreativ sein kann, sind wichtig und dürfen nicht ausfallen, sonst geht dem Kind viel von der Freude am Schulunterricht verloren.

Die schulische Ausbildung in der Grundschule muss den Schülerinnen und Schülern eine klare Grundlage für die anschließende weiterführende Schule geben. Lücken in der Grundschulausbildung können in den weiterführenden Schulen praktisch nicht mehr geschlossen werden. An solchen Defiziten leidet das betroffene Kind häufig bis zum Ende der Schulzeit und auch danach noch weiter.

Weiterführende Schulen
Die klare Aufgabe der weiterführenden Schulen ist, die Schülerinnen und Schüler zu einem qualifizierten Schulabschluss zu führen.

Der Hessische Elternverein begrüßt, dass Hessen dafür eine große Auswahl an Schulformen bietet. Die Vielfalt der weiterführenden Schulen, Hauptschule, Realschule, Gymnasium, Kooperative und Integrierte Gesamtschulen, Förderschulen, können den unterschiedlichen Begabungen der Kinder gerecht werden. Wichtig ist ein möglichst begabungsnaher Unterricht. 

Die Schülerinnen und Schüler können schon nach der 4. Jahrgangsstufe ihre Begabung in einer für sie geeigneten weiterführenden Schulform früh entwickeln. Selbstverständlich muss jedem Kind grundsätzlich jede Schulform offen stehen, wenn es die Anforderungen erfüllt. Es hat aber  keinen Sinn, ein Kind längere Zeit auf einer Schulform zu halten, mit deren Lernniveau es überfordert ist. Der natürliche Frust, ständig bei den „Letzten" zu sein, wird dieses Kind ein Leben lang begleiten und hemmen.

Wesentlich ist, dass jede Hauptschülerin und jeder Hauptschüler nach erfolgreichem Schulabschluss mit erforderlichem Leistungsstand anschließend den mittleren Bildungsabschluss (über Berufsfachschule oder Teilzeitberufsschule) erwerben kann.

Ebenso gibt es für jede Schülerin und jeden Schüler mit erfolgreichem Realschulabschluss bei entsprechendem Leistungsstand den Weg zu Fachabitur oder Abitur (über Fachoberschule bzw. gymnasiale Oberstufe).

Der HEV steht hinter diesem Konzept der „vertikalen Anschlussfähigkeit" in der Schulorganisation, deren Aufstiegsmöglichkeiten von den Schülerinnen und Schülern auch zahlreich genutzt werden.

Verbesserungsmaßnahmen
Der Hessische Elternverein begrüßt, dass eine ganze Reihe von Maßnahmen des Kultusministeriums in den letzten Jahren zur Verbesserung der Schulsituation geführt haben, z.B.
  • altersgemäße Beherrschung der deutschen Sprache;
  • schulformbezogene Lehrpläne;
  • Orientierungsarbeiten in der Grundschule für alle dritten Klassen;
  • verbindliche zentrale Standards und Abschlussprüfungen auch für Haupt- und Realschulen und Landesabitur;
  • Einrichtung von „SchuB-Klassen" (Lernen in Schule und Betrieb) für lernschwache Schülerinnen und Schüler;
  • klare Leistungsbeurteilung durch Zeugnisnoten, wobei wünschenswert ist, dass erzielte Lernfortschritte auch regelmäßig im Zeugnis genannt werden;
  • Angebote für Hauptschulen, Realschulen und Gymnasien in Kreisen, in denen diese zuvor zwangsweise abgeschafft worden waren;
  • Verkürzung der gymnasialen Ausbildung auf 8 Jahre und damit verbesserte Wettbe-werbsfähigkeit unserer Abiturienten, national und international;
  • Ausbau und Verpflichtung zur Lehrerfortbildung;  
  • deutliche Verbesserung der Lehrerversorgung;
  • eingeleitete erhöhte Selbstständigkeit und Eigenverantwortung einzelner Schulen (Schulautonomie);
  • Verpflichtung zur Erstellung von Schulprogrammen mit eindeutigem Schulprofil;
  • geplante Erziehungsvereinbarungen zwischen Schule und Eltern. Der HEV ist der Meinung, dass so die Erziehungsziele und -pflichten beiden Seiten bewusster werden;
  • Ausbau von „Ganztagsangeboten nach Maß";
  • Richtwerte für Klassengrößen für eine gerechter verteilte Lehrerzuweisung.
Es versteht sich von selbst, dass der eingeleitete Weg zur Konsolidierung unserer Schulen noch längst nicht abgeschlossen ist und fortgesetzt werden muss. Der HEV sieht z.B. weiteren Entwicklungsbedarf
  1. in einer weiteren Reduzierung von Unterrichtsausfall (Lehrerreserve),
  2. mittel- und langfristig im Ausbau einer stärkeren Förderung leistungsschwacher Schülerinnen und Schüler schon im frühen Grundschulalter und durch die gesamte Schulzeit.
  3. Um die unter 2. genannte anspruchsvolle Aufgabe zu erfüllen, ist es erforderlich, für die Schulen mehr Betreuerinnen und Betreuer (Schulpsychologen, Sozialpädagogen) einzustellen. Nur so sind die Lehrkräfte frei für den eigentlichen Unterricht.  
  4. Soweit die Eltern dies wünschen, ist die Einrichtung und der Ausbau weiterer Ganztagsschulen eine Zukunftsaufgabe.
  5. Die  Evaluierung der Arbeit an jeder Schule unter Berücksichtigung der verfügbaren Ressourcen und eine Bewertung, inwieweit die jeweils gesteckten Ziele erreicht wurden, muss verstärkt erfolgen.

Anmerkung:
Der HEV sieht keinen Sinn darin, den über Jahrzehnte in Hessen geführten Streit um die verschiedenen Schulformen fortzuführen.

Die einschlägigen Erfahrungen aus der Vergangenheit sind wenig positiv:
  • Obligatorische Förderstufen und z.T. flächendeckende Gesamtschulen, die von ihren politischen Befürwortern für ihre eigenen Kinder häufig umgangen wurden;
  • Angriffe gegen das gegliederte Schulsystem;
  • völlig unzulängliche und  mangelhafte Lehrpläne mit ideologisierten Inhalten.
Dieser aus rein  ideologischen Gründen, ohne Rücksicht auf die unterschiedliche Begabung der Kinder geführte Schulkampf ist - so hofft der HEV - ein für allemal zu Ende.

Oberstes Ziel muss eine Qualifizierung der Schülerinnen und Schüler sein. Jede Schulform, jede Schule muss sich darum bemühen.

Der Standpunkt des HEV

Der Hessische Elternverein setzt sich dafür ein, dass der in den letzten Jahren eingeleitete Prozess zu einer wirklich qualifizierenden schulischen Ausbildung fortgesetzt wird. Auch bei aller notwendigen Diskussion von Einzelheiten für neue Maßnahmen in der Schulorganisation und in der Elternmitbestimmung muss das oberste Ziel, ein qualifizierender Schulabschluss für alle Schülerinnen und Schüler, erreicht werden.
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Kontaktadresse


Hessischer Elternverein e.V.

Oberer Reisberg 5 b
D-61350 Bad Homburg

Tel.:  (06172) 33011
Fax:  (06172) 33013

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